[Fiction] Rebeccas Hochzeit

Februar 8th, 2010


“Now we´re in the chamber where the ancient rites are held.
Here beside the greenish flame your worship is compelled.”


Prolog

Lange Zeit  ist es nun her, seit sich jener Vorfall zu trug, welcher mich  Jahr für Jahr um die Winterzeit in meinen Gedanken und Träumen heimzusuchen pflegt. Wenn sich denn nachts der erste Schnee in die  Landschaft schleicht und sie in eine unwirkliche, weiche Fantasie verwandelt, dann wandelt sich auch meine Welt in einen bizarren Traum der Unwirklichkeit.

Nie hätte ich zu glauben gewagt, dass sich diesem Falle noch ein letztes mal ein jemand zuwenden würde oder ihn gar in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen vermochte. Aber wie sicher konnte ich mich wiegen all diese Jahre? War da nicht immer dieser kaum spürbare Hauch, der meine Träume zu begleiten pflegte; ein Hauch, den ich bisweilen zuzuordnen nicht im Stande war. All die Jahre hatte ich die gleichen Traumwelten durchschwommen, war gleich einem Geiste durch sie hindurchgeschwebt und bemaß ihnen am nächsten Morgen kaum Gewichtung zu, obgleich ich mir im Klaren war, dass sie mich hätten in den Wahnsinn treiben müssen. Dies war jener Hauch. Der kaum wahrzunehmende  Hauch unter der sanften Decke der Gleichgültigkeit und des Vergessens.
Ich stelle mich ihm, lasse ihn mich umhüllen und sein wahres Antlitz zeigen. Ich sehe in grüne Augen. Ich sehe Angst, Panik und Wahnsinn.

Ich blättere um. Seite für Seite, obgleich die quälenden Worte bereits mit zahlreichen anderen Seiten bedeckt sind, die ich nicht einmal im Ansatz überflog. Zeit wäre mir üppig gegeben und eine kleine Zerstreuung durch das Lesen dieses Tagesblattes, würde meinem aufgebrachten Verstand sicherlich in gewissen Maße ablenken. Doch es mag mir nicht gelingen die Gedanken abzuschütteln. Wieder  und wieder verliere ich mich in ihnen, versinke und durchlebe diesen Abschnitt meines Lebens, welcher das darauf folgende maßgeblich beeinflusste, veränderte und zu einem nie erahnten Albtraum werden ließ.

Und da ich nicht vermag sie mir aus dem Sinne zu vertreiben, lassen sie mich an dieser Stelle berichten was sich zu trug. Am Tag meiner Hochzeit. Dem letzten glücklichen in meinem alten Leben.


1. Verneinung

Wer sich denn dann entscheidet im Winter zu heiraten und den speziellen Tag mitten in den Januar legt, der wird sicherlich zu den wenigen Menschen gehören, die der frostig klirrenden Schönheit der verschneiten Natur mehr abgewinnen können, als nur den Gedanken an frierend-nasse Füße, Krankheit und kalte Ohren.
Ich zählte mich immer zu eben diesen und das Glück schien mir an jenem Tage wohlgesonnen zu sein, denn es bescherte mir eine üppig weiße Pracht, gefolgt von warm strahlenden Sonnenschein, der den leicht wolkigen Himmel gegen die Mittagszeit herum durchbrach. Zu dieser Stunde befanden wir und jedoch noch in der Kirche, um die eigentliche Zeremonie abzuhalten, wobei es mich nach draußen zog sobald ich die ersten Strahlen der Sonne durch die bunten und ehrfürchtigen Bleiglasfenster der Kirche fallen sah.
Obwohl es als Überraschung gedacht und geplant war, hatte mir das Gerede und der Tratsch einiger weiblicher Familienangehörigen bereits über mehrere Ecken vermittelt, dass mein Mann wohl für einen Pferdeschlitten gesorgt hatte, welcher uns, nach einer märchenhaften Rundfahrt durch die uns umgebende Landschaft, am Gasthof absetzen sollte.
Meine mich elektrisierende Vorfreude und Hoffnung wurden nicht enttäuscht, als ich nach dem verlassen der Kirche eben jenen Schlitten wahrhaftig erblickte. Es war ein einfacher Zweisitzer aus dunkel lackiertem Holz und grünen Polstersitzen. Vorgespannt waren zwei feingliedrige, fuchsfarbene Pferde, die im Schnee scharrten und den Anschein erweckten, auch endlich in Bewegung kommen zu wollen.

Nachdem ich mich endlich von der mich beglückwünschenden Masse aus bunt gekleideten Menschen losreißen konnte, eilte ich so schnell es in meiner festlichen Kleidung möglich war zum wartenden Fuhrwerk. Mich wunderte das fehlen eines Kutschers, der sich um die beiden Tiere kümmerte und mir in die Kutsche half, aber es sollte sich herausstellen, dass dies nicht der einzige Fehlgriff meines lieben armen Mannes bleiben sollte, der uns zu unserem bedauerlichen Schicksal führte.
Mein Mann war nun noch derjenige, welcher mir zu meinem winterlichen Glück in diesem Gefährt fehlte und als ich nach ihm Ausschau hielt, wurde ich gewahr, dass er mich ebenfalls suchte. Jedoch aber in der Menge, von der er sich hatte nicht so leicht losreißen können wie ich. Nach einem von Winken begleiteten Zuruf entdeckte er mich und eilte, sich aus der Menge windend, zu mir.
Auf meine Frage hin wo sich den unser Kutscher befände, antwortete er mir, dass eben jener vor ihr stehe. Ich deute es als Zeichen der Bekundung seiner Männlichkeit, die Zügel wortwörtlich in die Hand nehmen zu wollen und lies ihn zwar ohne Wiederworte, aber doch mit fragendem Gesicht gewähren. Während wir inzwischen einige Decken auf den grünen Polstern und uns selbst auf dem Kutschbock platziert hatten, mussten wir doch noch allerlei Hände schütteln, bis man unser Gespann ziehen ließ.
Und während er die Pferde antrieb und uns in diese weiße Welt entführte, da verspürte ich zum all ersten mal ein Gefühl der Unwirklichkeit. Wie die Dämmrigkeit zwischen Schlaf und dem Erwachen, konnte es jedoch beim überwältigenden Anblick unserer verschneiten Heimat schnell verdrängen.


2. Zorn

Die  anfangs leichten Böen wandelten sich alsbald in einen schneidend-kalten Strom von Wind und aufgewirbeltem Schnee. Ab und an erstarben diese nun kräftigen Luftstöße, um anschließend noch stärker gegen unser Gefährt zu drücken und wie eine mächtige unsichtbare Hand daran zu rütteln.. Die Sonne hatte sich längst von matten weißen Wolken bedecken lassen und ein Frösteln durch fuhr mich, aber da die Reise bereits über eine volle Stunde in Anspruch nahm, war ich mir sicher, dass unsere Ankunft am Gasthof kurz bevor stand. Und so zogen uns die beiden Pferde unbeirrt weiter durch die verschneite Landschaft, die mir inzwischen recht über war und ich sehnte mich nach einem deftigen Festschmaus und dem wohligen Kaminfeuer, welches mich erwartete.
So zog sich unsere Reise dahin und während ich zeitweilig sogar an der Schulter meines Gatten ein döste, kam es mir nicht mal annähernd in den Sinn, dass sich die restliche Hochzeitsgesellschaft bereits sorgte.
Ich träumte ein wenig vor mich hin, dachte an das Leben welches wir nun als Ehepaar führen sollten und wurde nur unterschwellig der beginnenden Dämmerung gewahr, die heimlich und leise über die Welt einbrach. Eine Unebenheit im Boden und ein Rucken der Kutsche ließ mich vollends erwachen, mich umschauen und ein zaghaftes Wort an meinen Gatten richten, welches sich nach unserem Verbleib erkundigte.
Als Antwort erhielt ich vorerst ein verkniffenes Schweigen, wobei seine Gesichtszüge schnell wieder eine weichere Form annahmen. Er atmete langsam ein und drehte seinen Kopf in meine Richtung, die Lippen zu einer Antwort formend. Diese Antwort sollte seine Lippen jedoch nie verlassen und auch mein Gehör nie erreichen. Wie als hätte sich jemand am Fluss der Zeit zu schaffen gemacht, verlangsamte sie sich mit einem Male und ich schaute meinem Mann in die aufgerissenen grünen Augen, als sich die Welt um uns drehte und alles Schneegewirr wurde, was vorher in Recht und Ordnung war.

Ich flog schier endlos und wurde vom tosenden Wind und dem wirbelnden Schnee davon getragen. Schlief ich vielleicht doch und die Reise hatte nie stattgefunden; oder träumte ich doch gar an der Schulter meines Mannes, während wir schon am Gasthof eintrafen, wo man mich wecken , um mich anschließend gespielt verständnislos fragen würde, wie ich denn dazu käme auf so einer bezaubernden Reise lieber dem Schlaf, als der Schönheit der Natur und der romantischen Zweisamkeit mit meinem Gatten zu verfallen.

Kein Schlaf war es aus dem ich erwachte. Weder in meinem Bett, noch auf dem Schlitten. Ein Schlaf war es in den ich verfiel, als sich die einschläfernde Kälte und die beruhigende Dunkelheit um mich schlossen und mich ergriffen, auf dass ich für immer ein Teil von ihnen sei.


3. Verhandeln

Es klang wie eine Melodie, die sanft mein Unterbewusstsein berührte – wie ein Glockenspiel im Wind. Noch nicht gänzlich wach, lauschte ich den fernen und sanften Klängen, als die einlullende Atmosphäre durch ein derbes berstendes Geräusch grässlich zerrissen wurde.
Augenblicklich erwachte ich aus meiner Trance und ließ ängstlich und verstört den Blick schweifen, denn diese Umgebung kam mir fremdartig und surrealistisch vor. Wie war ich hier her geraten und was war passiert?
Meinem Blick eröffneten sich wunderliche Gebilde – schimmernd und zerbrechlich wuchsen sie aus der scheinbaren Decke und dem Boden aufeinander zu; weiterhin schienen auch die Wände von einem mystischen Funkeln durchzogen zu sein und augenblicklich wollte ich es wieder als Traumwelt und wunderliche Einbildung abtun, als ich der Kutsche schräg hinter mir gewahr wurde. Wie künstlerisches Arrangement lag sie dort – verkehrt herum und halb im Dunkel wodurch sie sich meiner Aufmerksamkeit so lange entzogen hatte. Die wenigen Lichtstrahlen die auf sie fielen, drangen durch ein Loch weit oben in der Decke und waren so fahl wie auch gespenstisch. Reflektiert von den Wänden und dem Eis das die Stalakmiten und Stalaktiten überzog leuchtete mir der Mond selbst hier unten.

Geschwächt und zitternd erhob ich mich von der Stelle an der ich erwacht war. Weicher Schnee hatte meinen Sturz abgefangen und sollte ich doch die ein oder andere Verletzung davongetragen haben, so bemerkte ich sie nicht, denn Kälte und sicherlich ein Schock lähmten meine Nerven und beruhigten meine Gedanken, wofür ich nicht undankbar war.
Als mich jedoch von hinten etwas ergriff, durchfuhr es mich derart, dass ich mich nur noch zum Schreien im Stande fühlte. Sogleich wurde meine Stimme von den Wänden zurückgeworfen und ich erkannte, dass es zahllose Eiszapfen waren, deren glockenspielartige Melodie -erzeugt durch leichtes Vibrieren- mich im Halbschlaf heimgesucht hatte. Auch das berstende Geräusch erschloss sich mir, als einige jener Zapfen brachen und wie tödliche Speere zu Boden schossen um dort zu zerspringen.
Die Hand die nach mir gegriffen hatte, gehörte meinem werten Gatten. Man mag mich kaltherzig nennen, jedoch unter all diesen wirren Umständen hatte ich noch keinen Gedanken daran verloren, wo er denn seie und wie es ihm ergangen war. Da stand er nun, beruhigte mich und wir schauten uns an. Grüne Augen als wir in diesen Schlund der Hölle fielen; grüne Augen auch jetzt noch. Was blieb uns anderes als schauen? Wehklagen und Zorn würden uns aus dieser Lage nicht helfen und so machten wir uns daran ein Lager zu errichten
Die umgestürzte Kutsche diente uns als Schutz vor herab fallenden Eiszapfen, denn wir merkten alsbald, dass jene uns durchaus gefährlich werden konnten.


4. Depression

Das Glimmen und Glitzern an den Wänden stammte von sonderbaren Bergkristallen und anderem kristallinen Gestein, aber schon nach einigen Tagen konnte ich dem keinerlei Besonderheit mehr abgewinnen, wie beim ersten Anblick, der mir eine Traumwelt offenbarte.
Alle Schönheit der Welt mag dir  nichts nützen, wenn dein Magen leer und deine Glieder schwach sind. Eingebrochen waren wir in diese wunderliche Höhle; über einen Hang geweht vom Schneesturm dessen Heulen mich bei Nacht wach hielt und der nach und nach einer Totenwache gleich kam. Denn obwohl von Eis und Gestein umgeben, wollte uns das Schicksal keinen sanften Schlaf schenken, der uns in die Ewigkeit führen sollte und so zog sich unser Leben in diesem kristallenem Gefängnis dahin. Unsere Mäntel und Decken taten ihr bestes uns  redlich warm zu halten und betete ich auch das ein oder andere Mal aus dem bevorstehenden Schlaf nicht mehr zu erwachen, so lebte doch noch soviel Hoffnung in mir, dass ich diese Stoffe immer um den Leib gewickelt behielt. Wir redeten kaum noch ein Wort miteinander und sowohl die bleierne Melancholie und die gleichgültige Resignation erfüllten unsere harrenden Seelen.
Zeitweise erkundete ich die Höhle; hoffend einen Weg nach draussen zu erspähen, denn der Versuch sie dort zu verlassen, wo wir sie auf ungewollte Weise betraten, war derart unmöglich, dass wir es nicht einmal versuchten.
Wie auch das warm halten unserer Körper, konnten wir uns nicht dem Trinken erwehren. Zwar bitterkalt, spendeten uns Eis und Schnee jedoch ausreichend von eben jenem Lebenselexier.
Halb lebendig, halb tot . Halb erfroren, halb verhungert. Die Eiszapfen spielten unser Totenlied und der trauernde Wind sang dazu.


5. Akzeptanz

Sein Blick und seine Bewegungen wurden zunehmends apathischer, träger und zeugten davon, dass ihm der Wille und die Hoffnung zu Leben schwanden. Dieser elendige Anblick, den er mir bot und die sich endgültig durchsetzende Resignation stimmten mich zunehmends wütend. Stunde um Stunde beobachtete ich ihn. Beobachtete wie seine eingefallenen Augen starr die gegenüberliegende Wand anstarrten, wie als gäbe es nur noch eben jene.
Irgendwann durchbrach ich diese bedrückende Mauer des Stille und das lärmende Schweigen und richtete vorsichtig das Wort an ihn. Als ich zum dritten Male seinen Namen aussprach, kehrte ein Hauch Leben in seine Augen zurück, so als ob seine Seele von weit entfernt in seinen Körper zurückgekehrt war. Langsam drehte er mir den Kopf zu und ich sah in das ausgemergelte und  blasse Gesicht eines Geistes, der mir einen trauernden und flehenden Blick zuwarf. Kurz fragte ich mich, ob meine Erscheinung bereits der seinen glich und wandte dann wieder das Wort an ihn, um ihn nach seiner Befindlichkeit zu fragen. Welch Lächerlichkeit! Wie auch sollte es ihm gehen in einer derartigen Situation? Aber zumindest hatte ich eine Brücke zwischen uns gebaut; das Schweigen vertrieben, welches mich selbst in den Wahnsinn trieb. Leider schien er meiner Frage die gleiche Sinnlosigkeit abzugewinnen, wie ich es kurz nach ihrem Stellen auch tat und so ignorierte er sie, blickte mich noch einmal kurz eingehend an und richtete seine müden Augen wieder auf die Wand.
Ich holte kaum vernehmbar Luft und sah in an. Sah aber in Wirklichkeit durch ihn hindurch. Die Gedanken entfernten sich und es war als würde sich die  bewusste und aktive Wahrnehmung zurückziehen und etwas anderem Platz machen. Etwas Dunklem, was in jeder Seele eines jeden Menschen wohnt und dort auch für immer verschlossen bleiben möge.
Ich tat einen übereilten Schritt nach vorn und die ruckartig-überhastete Bewegung riss ihn erneut kurz aus seiner stummen Lethargie. Mochte er es spüren – die Veränderung?
Kaum dass sich unsere Blicke erneut trafen, hatte ich mich auch schon herunter gebeugt, ihn fest am Kragen gepackt und starrte ihm unverholen in die Augen. Die gleichen grünen Augen in die ich sah, als wir in diese verwunschene Hölle stürzten und in diesen grünen Augen spiegelte sich mit einem Male der gleiche rasende Wahnsinn, der mich Augenblicke zuvor gepackt hatte.
Ich schüttelte ihn wie von Sinnen und er schien eben jene zurück zu erlangen, denn er riss sich augenblicklich los und wich zurück. Wie zwei gehetzte Krieger standen wir uns gegenüber.: die Augen aufgerissen, der Herzschlag rasant pulsierend. Und wir kämpften, rissen uns zu Boden. Körper an Körper  in diesem wilden irrsinnigen Tanz und dem Reigen aus Schnee und Eis. Ich schlang die Arme um seinen Hals und wir drehten uns und ich schrie und lachte und wenn ich in seine grünen Augen blickte, dann sah ich das Leben und die Hoffnung. Ob Stunden oder Minuten – wie lang kann ich nicht sagen, denn die ewig fortlaufende Zeit war lange schon zu einer unwichtigen Errinnerung für mich geworden. Meine Sinne widmeten sich nun ausschließlich unserem skurrilen Tanze und der sicheren Tatsache, dass wir für immer beisammen sein würden. Seele an Seele wie es sich für ein liebendes Paar gehörte.
Es knirschte als ich die letzte ruckende Bewegung des Tanzes vollzog und dann drängte mich mein Liebster uns zu legen. Er zog mich herab, legte sich und ich schmiegte mich sanft an ihn. Wie schwach er nun wirkte und wie endlos entrückt und entfernt sein Blick nun wieder waren. Doch ich wusste, dass er mich nicht mehr abweisen würde, wie er es zuvor schon versucht hatte. Er würde mich gewähren lassen; würde einer Vereinigung dulden sie wahrscheinlich sogar wünschen. Denn die Hochzeit band uns aneinander; verlangte Loyalität in den guten, sowie den schlechten Tagen und diese Loyalität erwiesen wir uns nun. Seele an Seele.


6. Tod

Nach unserem Tanz folgten keine weiteren derartigen. Dies hatte ich bereits erwartet und sah nun wieder schweren Herzens zu, wie er Tag um Tag vor sich hin starrte und deutlich abnahm. Die schwarze Höhle, ihr geisterhaftes Funkeln, der singende Wind und die schleichende Kälte – all das bekam ihm in keinster Weise wohl und wenn ich nun mit ihm sprach, wandte er mir keinen traurigen oder flehentlichen Blick zu. Er starrte und starrte und als ich eines morgens – ein paar Sonnenstrahlen fielen durch die Öffnung- zu ihm gehen wollte, da war er verschwunden. Seine Kleider fand ich wohl; und ein paar fahle Steine wo er gelegen hatte. Traurig und gedankenverloren starrte ich sie an, setze mich auf den Boden und sang leise und mit geschlossenen Augen ein wehmütiges Lied über die vergangene Liebe. Doch erfasste mich diese Wehmut nicht, denn ich wusste ja um die ewige Verbundenheit unserer Seelen und die Liebe, die wir uns für immer Geschworen hatten.
Ich sammelte die umher liegenden fahlen Steine auf und stapelte sie in einer verwinkelten Ecke , die ich bei einem meiner Rundgänge fand. Ein Denkmal? Ein Mahnmal? Wohl doch nur eine Errinnerung an den den ich liebe und liebte.


Epilog

Damals, nach tagelanger müßiger Suche, hatte man die gefrorenen Überreste der Pferde in einer Schlucht gefunden und sich der Umgebung um diesen Punkt gewidmet. Die Spuren, welche der Schlitten hinterlassen hatte, waren bereits wenige Stunden nach unserer Fahrt verweht gewesen und man gedachte bereits ans Aufgeben, als man diesen Fund tätigte.
Der Sturm war seit einigen Tagen davon gezogen und so war es nicht mehr er der sang, sondern ich. Und als die Suchenden rasteten, betreten drein blickten und schwiegen, vernahmen sie mich, fanden die Höhle und zogen mich zurück in die Welt und ins Licht.
Es wurde meine zweite Geburt in ein neues Leben, welches ich zu schätzen wusste und welches, wie ich sagte, nur um die Winterzeit von seltsamen Träumen heimgesucht wird. Verblassende Träume. Träume von der Liebe und Zuneigung, die sich zwei Menschen schenkten, welche an ihren Seelen verbunden sind und waren.

Dieser schändliche Hauptartikel des Tagesblattes hatte über eine Gruppe von Forschern berichtet, die sich der Erforschung diverser Mineralien aus der Umgebung gewidmet hatten. Man hatte bereits durchschlagende Ergebnisse erreicht und sogar der Durchbruch in einen neuen Höhlenabschnitt war geglückt. Dies jedoch wurde nur in kurzen Sätzen umrissen, denn die gesamte Mission war nach einem schockierenden Fund in der neuen Höhle ins Stocken geraten.
Einer der betagten Herren, hatte sein Interesse nicht nur den Kristallen im Hauptbereich der Höhle gewidmet, sondern war sie sofort nach und nach abgegangen, um sich ein genaues Bild machen zu können. Hierbei fiel ihm in einer entlegenen Ecke eine Anhäufung auf, die er nicht sofort zuordnen konnte, die ihm jedoch zu unpassend für eine derartige Umgebung vorkam. Erst bei näherer Betrachtung wurde ihm bewusst, um welch schändliche Begebenheit es sich handeln musste. Nach dem Hinzurufen seiner Kollegen, wurde sie gemeinschaftlich in Augenschein genommen und nach genauer Betrachtung war man sich eindeutig sicher:

Es handelte sich um einen säuberlich gelegten Stapel menschlicher Knochen -oben auf der Schädel- und es hätte sicherlich nicht der wissenschaftlichen Untersuchung bedurft, die auf den Fund folgte, um nachzuweisen, dass es sich bei den Einkerbungen auf den Knochen um Spuren von Zähnen handelte.
Spuren menschlicher Zähne.

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